Autismus – Diagnostik

Diagnostik Autismus - Eine Frau sitzt auf einer Wiese und schreibt etwas auf einen Block.

Autismus-Diagnostik für Erwachsene in Berlin nach ICD-11

Viele Erwachsene, die sich mit der Frage beschäftigen, ob sie autistisch sind, tragen diese Überlegung bereits über lange Zeit mit sich. Häufig besteht ein Gefühl von innerer Anstrengung, von Anderssein oder permanenter Anpassung, obwohl dies nach außen kaum sichtbar ist. Viele funktionieren im Alltag gut, wirken reflektiert, leistungsfähig und sozial angepasst und erleben gleichzeitig eine dauerhafte innere Überforderung oder Erschöpfung. Nicht selten entsteht dabei der Eindruck, dass wesentliche Aspekte des eigenen Erlebens bislang nicht passend eingeordnet wurden. Viele suchen deshalb gezielt nach einer Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter.
Gerade erwachsene autistische Menschen entwickeln häufig ausgeprägte Kompensations- und Anpassungsstrategien. Autistische Merkmale werden kontrolliert, überdeckt oder bewusst gesteuert. Dadurch zeigen sich Auffälligkeiten im Erwachsenenalter häufig weniger im unmittelbar beobachtbaren Verhalten als vielmehr im inneren Erleben, in langfristigen Belastungsmustern, sensorischer Verarbeitung, sozialer Erschöpfung und wiederkehrenden biografischen Themen.

Meine diagnostische Arbeit orientiert sich an den fachlichen und diagnostischen Standards etablierter Verfahren wie ADOS-2, ADI-R sowie MIGDAS. Die Diagnostik erfolgt auf Grundlage der ICD-11 und berücksichtigt ausdrücklich auch Masking und kompensatorische Strategien bei Erwachsenen. Im Mittelpunkt stehen soziale Kommunikation und Interaktion, Wahrnehmungsverarbeitung, Interessenprofile, emotionale Regulation, Entwicklungsmuster sowie die individuelle Lebensgeschichte. Einen ausführlicheren Beitrag zum Thema Masking bei Autismus finden Sie zusätzlich in meinem Blog.
In meiner Praxis biete ich unterschiedliche diagnostische Zugänge an. Beide Verfahren sind fachlich fundiert und erwachsenenspezifisch ausgerichtet, unterscheiden sich jedoch im zeitlichen Umfang, der diagnostischen Breite sowie der Tiefe der differenzialdiagnostischen Einordnung.

Ausführliche, leitliniengerechte Autismus-Diagnostik für Erwachsene 

Die ausführliche, traditionelle Autismus-Diagnostik orientiert sich an einem umfassenden, leitliniengerechten diagnostischen Vorgehen. Sie richtet sich insbesondere an Erwachsene mit komplexeren Fragestellungen, hoher Kompensation, bereits bestehenden Vorbefunden oder zusätzlichem differenzialdiagnostischem Bedarf. Auch bei unklaren früheren Abklärungen oder dem Wunsch nach einer besonders breit abgesicherten diagnostischen Einschätzung wird häufig dieses Vorgehen gewählt.

Im Zentrum steht eine ausführliche, speziell auf das Erwachsenenalter zugeschnittene Autismus-spezifische Anamnese. Ergänzend kommen standardisierte und beobachtungsbasierte Verfahren wie die „Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen“ (ADOS-2) sowie das entwicklungsbezogene Elterninterview „Diagnostisches Interview für Autismus – Revision“ (ADI-R) zum Einsatz.
Die diagnostische Einordnung erfolgt dabei nie isoliert anhand einzelner Testergebnisse, sondern immer auf Grundlage der Gesamtschau aller Befunde. Gerade bei Erwachsenen mit ausgeprägten Masking- und Kompensationsstrategien können sich autistische Merkmale subtil zeigen oder in einzelnen Testsituationen weniger deutlich sichtbar werden. Deshalb werden neben beobachtungsbasierten Verfahren insbesondere biografische Entwicklungsmuster, soziale Anpassungsleistungen, sensorische Besonderheiten sowie das subjektive innere Erleben differenziert berücksichtigt.

Durch den größeren zeitlichen Umfang entsteht mehr Raum für komplexe Lebensverläufe, subtile soziale Kompensationsmechanismen sowie Mischbilder mit ADHS, Angststörungen oder anderen psychischen Belastungen. Viele Erwachsene wünschen sich gerade deshalb diese besonders ausführliche Form der Diagnostik.
Die Diagnostik erstreckt sich in der Regel über einen längeren Untersuchungstag und mündet in einen umfangreichen schriftlichen Befundbericht mit ausführlicher diagnostischer Einordnung nach ICD-11. Die Diagnostik ist auch in englischer Sprache möglich. (Haben Sie bereits ein Screening durchgeführt, so kann das Honorar auf das Gesamthonorar dieser Diagnostikform angerechnet werden.)

Strukturierte Autismus-Diagnostik für Erwachsene

Die strukturierte Autismus-Diagnostik bietet eine kompaktere, fokussierte und erwachsenenspezifische Abklärung bei Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-Neurodivergenz. Sie eignet sich insbesondere bei klar umrissener Fragestellung oder dem Wunsch nach einer zeitlich kompakteren Diagnostik.
Zentrales diagnostisches Verfahren ist ein modernes, erwachsenenspezifisches Interviewverfahren (MIGDAS), das subjektives Erleben, soziale Kommunikation, Wahrnehmungsverarbeitung sowie individuelle Anpassungsstrategien differenziert erfasst. Gerade bei Erwachsenen mit ausgeprägtem Masking zeigen sich autistische Merkmale häufig weniger im unmittelbar beobachtbaren Verhalten als vielmehr in langfristigen Belastungsmustern, innerer Anstrengung, sozialer Erschöpfung und wiederkehrenden biografischen Themen. Diese Aspekte werden im diagnostischen Prozess ausdrücklich mitberücksichtigt. Ergänzend kommen mehrere standardisierte Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren zum Einsatz, welche zentrale autistische Merkmalsbereiche zusätzlich absichern.

Die diagnostische Einschätzung erfolgt auf Grundlage der Gesamtschau von Anamnese, Testverfahren und klinischer Einordnung. Viele Erwachsene erleben diesen diagnostischen Rahmen als entlastend, weil neben standardisierten Verfahren auch die persönliche Entwicklungsgeschichte, individuelle Wahrnehmungsmuster, soziale Anpassungsleistungen und das subjektive Erleben differenziert berücksichtigt werden.
Die strukturierte Diagnostik ist bewusst kompakter angelegt, gleichzeitig jedoch fachlich fundiert und sorgfältig ausgewertet. Die Auswertung mündet ebenfalls in einen ausführlichen schriftlichen Befundbericht mit diagnostischer Einordnung nach ICD-11.

Die Diagnostik ist auch in englischer Sprache möglich. Gegen Aufpreis kann ergänzend zusätzlich das ausführliche Elterninterview „Diagnostisches Interview für Autismus – Revision“ (ADI-R) durchgeführt, ausgewertet und befundet werden.

Informationen zum Ablauf beider Arten der Autismus-Diagnostik finden Sie hier.

Autismus-Screening

Wenn Sie sich zunächst eine erste fachliche Einschätzung wünschen, kann ein Autismus-Screening durchgeführt werden. Dieses besteht aus mehreren Autismus-spezifischen Fragebögen, die digital und in Ruhe zu Hause bearbeitet werden.
Das Screening ersetzt keine Diagnostik, kann jedoch eine fundierte Einschätzung liefern, ob eine Autismus-Spektrum-Neurodivergenz wahrscheinlich ist. Das Ergebnis wird schriftlich zusammengefasst und kann bei einer späteren Diagnostik berücksichtigt werden. Ein Screening ist im Gegensatz zur strukturierten und ausführlichen Diagnostik auch bei Kindern und Jugendlichen möglich. 
Das Honorar für das Screening kann auf die weiterführende ausführliche, traditionelle Diagnostik angerechnet werden, auf die strukturierte Form leider nicht. 

Anamnestisches Gespräch bei Autismus-Verdacht

Nicht immer besteht zu Beginn der Wunsch nach einer vollständigen Diagnostik. In einem anamnestischen Gespräch besteht die Möglichkeit, autistische Merkmale strukturiert zu besprechen und fachlich einzuordnen, ohne dass bereits eine umfassende Diagnostik durchgeführt wird.
Im Mittelpunkt stehen dabei das aktuelle Erleben, biografische Aspekte sowie typische autistische Merkmalsbereiche. Das Gespräch kann zur eigenen Orientierung dienen oder als Vorbereitung für eine spätere diagnostische Abklärung.
Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Erwachsene, die sich zunächst eine persönliche Einschätzung wünschen oder unsicher sind, ob eine Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter für sie in Frage kommt.

In meinem Blog schreibe ich über Autismus und ADHS im Erwachsenenalter. Über Themen, die mir in der Arbeit immer wieder begegnen und für die es oft mehr als kurze Antworten braucht. Wenn Sie möchten, lesen Sie gern weiter.