ADHS – Diagnostik

ADHS - Diagnostik

ADHS-Diagnostik für Erwachsene in Berlin

Viele Erwachsene mit ADHS haben lange funktioniert. Sie haben sich organisiert, angepasst, Verantwortung übernommen. Nach außen wirkt vieles stabil, manchmal sogar sehr kontrolliert. Innerlich ist es oft unruhiger. Gedanken laufen parallel, Aufmerksamkeit lässt sich schwer steuern, Entscheidungen kosten Kraft. Es gibt Phasen großer Energie und Phasen, in denen selbst einfache Dinge anstrengend werden.
Nicht selten begleitet dieses Erleben Menschen über viele Jahre, ohne dass es einen klaren Namen bekommt. Viele haben gelernt, ihre Schwierigkeiten auszugleichen. Sie beobachten sich genau, entwickeln Strategien, halten Strukturen aufrecht, kontrollieren sich. Auch bei ADHS kann dieses Masking sehr ausgeprägt sein. Schwierigkeiten werden angepasst, verdeckt oder nach außen hin gut reguliert, während die innere Belastung bestehen bleibt.

Meine diagnostische Arbeit ist gezielt auf Erwachsene ausgerichtet. Sie unterscheidet sich deutlich von klassischer ADHS-Diagnostik im Kindesalter. Es geht nicht um typische Schul- oder Verhaltensbeobachtungen, sondern um das innere Erleben, den Lebensverlauf und die Art, wie Aufmerksamkeit, Antrieb und Selbststeuerung sich über Jahre hinweg entwickelt haben. Diagnostik verstehe ich dabei nicht als Prüfung, sondern als gemeinsamen Prozess. Als ein ruhiges, fachliches Hinschauen, das Zusammenhänge sichtbar macht und Orientierung geben kann.

Wie ich ADHS-Diagnostik verstehe

In meiner Praxis biete ich ADHS-Diagnostik für Erwachsene in unterschiedlichen diagnostischen Formaten an. Menschen kommen mit sehr verschiedenen Fragen. Manche möchten wissen, ob ADHS eine stimmige Erklärung für ihr Erleben sein könnte. Andere spüren vor allem Erschöpfung, Überforderung oder innere Unruhe und suchen nach einer Einordnung.
Allen diagnostischen Angeboten liegt dieselbe fachliche Grundlage zugrunde. Die ADHS-spezifische Anamnese steht in jedem Format im Mittelpunkt. Sie erfasst, wie sich ADHS-typische Merkmale im Erwachsenenalter zeigen, im Alltag, im Beruf, in Beziehungen und im inneren Erleben. Auch Anpassungs- und Maskingstrategien werden dabei immer mitgedacht, da sie bei Erwachsenen häufig entscheidend dafür sind, wie Symptome nach außen erscheinen und innerlich erlebt werden. Einen vertiefenden Beitrag zu ADHS-Verläufen mit und ohne ausgeprägte Hyperaktivität finden Sie hier.

Die eingesetzten Fragebögen und testdiagnostischen Verfahren sind in beiden diagnostischen Wegen gleich. Der Unterschied liegt nicht im Anspruch, sondern darin, wie der diagnostische Blick eingebettet wird und wie viel Raum dem weiteren Lebenskontext gegeben wird.

Diagnostik nach ICD-11 und moderne ADHS-Verständnisse

In meiner Praxis arbeite ich nach den Kriterien der ICD-11. Für viele Erwachsene ist das ein großer Unterschied. Die ICD-11 bildet das tatsächliche Erleben im Erwachsenenalter deutlich besser ab als frühere Klassifikationen. Sie erlaubt es, Entwicklungen, Anpassungen und auch lange kompensierte Muster mitzudenken, statt nur nach einem starren Symptombild zu suchen.
Gerade bei ADHS wird heute klarer, dass es nicht „die eine“ Form gibt. Manche Menschen erleben vor allem innere Unruhe, andere kämpfen seit Jahren mit Aufmerksamkeits- und Organisationsproblemen, wieder andere bewegen sich zwischen beidem. Auch vorwiegend unaufmerksame oder vorwiegend hyperaktive Verläufe, die früher oft übersehen oder nicht eindeutig einzuordnen waren, lassen sich mit der ICD-11 differenzierter erfassen.
Gleichzeitig ist es inzwischen ausdrücklich möglich, Autismus und ADHS gemeinsam zu diagnostizieren. Viele Erwachsene erleben genau diese Überschneidung, ohne dass sie lange einen passenden Rahmen dafür gefunden haben. Die ICD-11 ermöglicht es, beide Neurodivergenzen nebeneinander zu betrachten, ohne dass eine die andere „überdeckt“. Das schafft häufig zum ersten Mal ein stimmiges Gesamtbild und bringt für viele spürbare Erleichterung.

Die strukturierte ADHS-Diagnostik

Die strukturierte ADHS-Diagnostik ist für viele Erwachsene ein gut passender Weg. Sie kann sowohl online als auch vor Ort durchgeführt werden. Diese Flexibilität empfinden viele als entlastend, weil sie sich gut in den eigenen Alltag integrieren lässt.
Im Mittelpunkt steht eine ausführliche ADHS-spezifische Anamnese. Gemeinsam betrachten wir, wie sich Aufmerksamkeit, Organisation, innere Unruhe, Impulsivität oder emotionale Regulation im eigenen Leben zeigen, heute und rückblickend. Anpassungs- und Maskingstrategien spielen dabei eine zentrale Rolle. Gerade bei Erwachsenen ist es oft nicht das äußere Verhalten, sondern das innere Erleben, das die größte Belastung darstellt.
Ergänzend kommen standardisierte Fragebögen sowie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsverfahren zum Einsatz. Sie helfen dabei, das subjektive Erleben mit testdiagnostischen Befunden abzugleichen und innere Zusammenhänge sichtbar zu machen, auch dann, wenn nach außen lange gut kompensiert wurde. Biografische und soziale Aspekte fließen dort ein, wo sie für das Verständnis der ADHS-Symptomatik bedeutsam sind.
Viele Erwachsene erleben diese Form der ADHS-Diagnostik als klar, ruhig und entlastend. Sie schätzen die Fokussierung auf die ADHS-relevanten Themen und die Möglichkeit, ohne großen organisatorischen Aufwand zu einer fundierten diagnostischen Einordnung zu gelangen.
Die Diagnostik ist auch in englischer Sprache möglich.

Die ausführliche, traditionelle ADHS-Diagnostik vor Ort

Manche Menschen wünschen sich eine besonders umfassende Einordnung. Für sie biete ich die ausführliche ADHS-Diagnostik an, die als persönlicher Termin in meiner Praxis stattfindet und bewusst als zusammenhängender Untersuchungstag gestaltet ist.
Neben der vollständigen ADHS-spezifischen Anamnese wird hier auch der weitere Lebens- und Sozialkontext ausführlich betrachtet. Es geht um Entwicklung, Schule, Ausbildung, Beruf, Beziehungen und um die Bedingungen, unter denen sich ADHS-typische Muster über die Jahre gezeigt haben.
Auch hier spielen Anpassungs- und Maskingstrategien eine zentrale Rolle. Die breitere Einbettung ermöglicht es, diese Strategien nicht nur im Zusammenhang mit der aktuellen Symptomatik zu betrachten, sondern sie im gesamten Lebensverlauf einzuordnen und innere Zusammenhänge weiter auszudifferenzieren.
Auch in dieser ADHS-Diagnostik kommen die gleichen standardisierten Fragebögen sowie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsverfahren zum Einsatz wie in der strukturierten Diagnostik. Der Unterschied liegt nicht in den Instrumenten, sondern darin, wie viel Raum der Einbettung der Symptomatik in die gesamte Lebensgeschichte gegeben wird.
Für manche Menschen ist dieser Rahmen hilfreich, weil er das Gefühl vermittelt, nicht nur mit einzelnen Symptomen, sondern in der eigenen Geschichte gesehen zu werden.
Die Diagnostik ist auch in englischer Sprache möglich.

Zwei Wege mit gleicher Grundlage

Beide diagnostischen Wege beruhen auf denselben fachlichen Kriterien. Die ADHS-spezifische Anamnese, die eingesetzten Fragebögen sowie die testdiagnostischen Verfahren sind in beiden Formaten gleich. Masking und Anpassung werden in beiden diagnostischen Wegen berücksichtigt.
Der Unterschied liegt darin, wie breit der diagnostische Blick angelegt ist und wie ausführlich der allgemeine Lebens- und Sozialkontext Teil der diagnostischen Einordnung wird. Welche Form der Diagnostik sinnvoll ist, lässt sich nicht immer sofort entscheiden. Diese Entscheidung darf Zeit haben und kann gemeinsam vorbereitet werden.

Informationen zum Ablauf beider Arten der ADHS-Diagnostik finden Sie hier.

ADHS-Screening

Manchmal besteht zunächst der Wunsch nach Orientierung. In diesen Fällen kann ein ADHS-Screening ein erster Schritt sein. Es besteht aus mehreren standardisierten Fragebögen, die Sie in Ruhe zu Hause bearbeiten können. Das Screening ersetzt keine Diagnostik. Es kann jedoch helfen, die eigene Symptomatik besser einzuordnen und eine Grundlage für weitere Entscheidungen zu schaffen. Bei einer anschließenden ausführlichen ADHS-Diagnostik vor Ort kann das Screening angerechnet werden. Für die strukturierte Diagnostik ist es nicht vorgesehen, da dort die ADHS-spezifische Anamnese und die diagnostischen Verfahren bereits vollständig integriert sind.
Ein Screening ist anders als die strukturierte oder ausführliche Diagnostik auch bei Kindern und Jugendlichen möglich.

Anamnestisches Gespräch bei ADHS-Verdacht

Nicht immer braucht es sofort eine vollständige Diagnostik. In einem gezielten anamnestischen Gespräch besteht die Möglichkeit, ADHS-typische Merkmale gemeinsam zu betrachten und fachlich einzuordnen. Dieses Gespräch richtet sich an Menschen, die Fragen klären möchten, unsicher sind oder sich zunächst eine persönliche Einschätzung wünschen. Oft entsteht daraus mehr Klarheit darüber, welcher nächste Schritt sinnvoll sein könnte.

In meinem Blog schreibe ich über Autismus und ADHS im Erwachsenenalter. Über Themen, die mir in der Arbeit immer wieder begegnen und für die es oft mehr als kurze Antworten braucht. Wenn Sie möchten, lesen Sie gern weiter.