ADHS – Grundlagen

ADHS – was bedeutet das eigentlich?

ADHS wird oft mit Unruhe oder Konzentrationsproblemen in Verbindung gebracht. Für viele Erwachsene fühlt es sich jedoch ganz anders an. Nach außen wirkt vieles geordnet, verantwortungsvoll und kontrolliert. Innerlich ist es häufig deutlich bewegter. Gedanken laufen parallel, Aufmerksamkeit springt, Entscheidungen kosten Kraft. Es gibt Phasen großer Energie und solche, in denen selbst einfache Dinge schwerfallen.
Viele Erwachsene mit ADHS haben früh gelernt, sich zusammenzureißen. Sie organisieren sich, übernehmen Verantwortung, funktionieren zuverlässig und halten viel aus. Oft sehr lange. Diese Anpassung ist beeindruckend, aber sie ist anstrengend. Die innere Belastung verschwindet nicht nur, weil nach außen alles „gut aussieht“.
ADHS hat nichts mit fehlender Disziplin oder mangelndem Willen zu tun. Es beschreibt eine andere Art, Aufmerksamkeit, Antrieb und innere Steuerung zu erleben. Diese Unterschiede zeigen sich nicht nur im Verhalten, sondern vor allem im Inneren.

Wie ADHS sich im Erwachsenenalter anfühlen kann

Im Erwachsenenalter zeigt sich ADHS häufig weniger auffällig als in der Kindheit. Statt äußerer Unruhe erleben viele eine innere Getriebenheit, ein ständiges Mitdenken, ein schwer abschaltbares Gedankenkarussell. Aufmerksamkeit lässt sich nicht immer dort halten, wo sie gerade gebraucht wird. Emotionen können schneller kippen. Erschöpfung kommt oft früher als gedacht.
Gleichzeitig bringen viele Menschen mit ADHS besondere Fähigkeiten mit. Sie denken vernetzt, sind kreativ, begeisterungsfähig, empathisch oder finden ungewöhnliche Lösungen. Diese Stärken sind real. Sie kommen jedoch meist nur dann zur Geltung, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und nicht alles gleichzeitig getragen werden muss.

ADHS ist vielfältiger, als lange gedacht wurde

ADHS zeigt sich nicht bei allen gleich. Heute wird deutlicher unterschieden als früher. Im aktuellen Klassifikationssystem ICD-11 werden unterschiedliche Ausprägungen beschrieben. Bei manchen stehen Unaufmerksamkeit und gedankliches Abschweifen im Vordergrund. Bei anderen sind es eher impulsive oder sehr aktive Anteile. Oft sind mehrere Aspekte miteinander verbunden.
Gerade für Erwachsene ist diese Differenzierung hilfreich. Viele finden sich erst jetzt wirklich wieder, nachdem sie sich lange in keine der alten Schubladen einordnen konnten. Dass ADHS heute differenzierter betrachtet wird, ist für viele entlastend.

ADHS und Autismus gemeinsam verstehen

ADHS und Autismus können gemeinsam auftreten. Lange wurde angenommen, dass sich beides ausschließt. Das gilt heute nicht mehr. Im ICD-11 ist die Doppeldiagnostik ausdrücklich vorgesehen.
Für manche Erwachsene ergibt genau diese Kombination erstmals ein stimmiges Bild. Autistische Anteile suchen häufig Klarheit, Struktur und Vorhersehbarkeit. ADHS-Anteile bringen Bewegung, Ideenreichtum und innere Dynamik mit. Beides zusammen kann bereichernd sein, aber auch innerlich sehr fordernd. Eine differenzierte Einordnung hilft, diese Spannungen besser zu verstehen und sich selbst weniger infrage zu stellen.

Wenn die Belastung größer wird

ADHS geht oft mit zusätzlichen Belastungen einher. Schlafprobleme, innere Unruhe, Erschöpfung, depressive oder ängstliche Phasen sowie Suchterkrankungen sind keine Seltenheit. Diese entstehen häufig nicht durch ADHS selbst, sondern durch jahrelanges Anpassen, Durchhalten und Funktionieren.
Viele Erwachsene kommen deshalb nicht mit einer klaren Diagnosefrage, sondern mit dem Gefühl, dauerhaft zu viel zu tragen. Eine fachliche Einordnung kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen und den Druck ein Stück herauszunehmen.

Orientierung und nächste Schritte

Nicht immer braucht es sofort eine umfassende Diagnostik. Für manche ist es zunächst wichtig, das eigene Erleben besser zu verstehen und Worte dafür zu finden. Andere wünschen sich Klarheit, um gezielt weiterzugehen.
Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen zur ADHS-Diagnostik für Erwachsene, zu Screening-Angeboten und zu möglichen nächsten Schritten. Welche Form sinnvoll ist, lässt sich individuell klären und darf in Ruhe entstehen.