Autismus – was ist das?

Autismus - was ist das? - Ein goldener Schlüssel liegt auf einem Holzzaun.

Autismus

Die Autismus-Spektrum-Störung zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen und gilt prinzipiell als nicht heilbar. Durch eine gezielte therapeutische Förderung und Unterstützung, insbesondere durch eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit, können jedoch häufig viele positive Veränderungen erzielt werden. Sowohl bei den betroffenen Menschen selbst, als auch bei deren Angehörigen.
Als Hauptmerkmale bei Menschen im Autismus-Spektrum sind eine gestörte soziale Interaktion, eine beeinträchtigte (oft ganz wundervolle!) Kommunikation, sowie sich wiederholende stereotype Verhaltensweisen und ganz spezielle Interessensgebiete auszumachen. Es liegen oft Besonderheiten in der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Reizen in den verschiedenen Sinnesmodalitäten vor. So kann es bei flackernden Lichtern, lauten Geräuschen oder dominanten Gerüchen schnell zu einer Überforderungssituation kommen, da diese Reize nicht ausgeblendet werden können.

Klassifikation

Das internationale Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen (ICD-10) unterscheidet noch einmal genauer in verschiedene Erscheinungsformen des Autismus. So ist unter F84.0 der frühkindliche Autismus, unter F84.1 der atypische Autismus und unter F84.5 das Asperger Syndrom kodiert. Aufgrund der Vielfältigkeit der Symptomatik lässt diese sich meistens jedoch nicht in eindeutige ‚Schubladen‘ stecken. Auch ist der Grad der Ausprägung interindividuell verschieden. Deshalb wird im kommenden ICD-11 der im Volksmund bereits etablierte Begriff der ‚Autismus-Spektrum-Störung‘ verwendet werden (ICD-11, 6A02).

Die vielen Stärken, die Menschen im Autismus-Spektrum mitbringen, werden im Gegensatz zu den beschriebenen Schwächen leider oft nicht hinreichend erkannt oder gewürdigt. Zu ihnen zählen Ehrlichkeit, Detailgenauigkeit, Zuverlässigkeit, Toleranz, ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, Hilfsbereitschaft oder Beharrlichkeit, um nur eine kleine Auswahl zu nennen,

Begleiterkrankungen

Durch meine Tätigkeit als Leitung im Fachdienst Autismus des Annedore-Leber-Berufsbildungswerks Berlin bin ich vertraut im Umgang mit vielen jungen Menschen im Autismus-Spektrum und weiß um deren Schwierigkeiten aber auch um die vielen Potentiale. Autistische Menschen gelangen meistens nicht wegen ihres Autismus‘ in eine Psychotherapie, sondern wegen der Probleme, die entstehen, wenn die autistische Welt mit der Welt der neurotypischen Menschen nicht zusammengeht. Nicht selten führt diese Nichtpassung zu psychischen Beeinträchtigungen, die begleitend (komorbid) zum Autismus auftreten. Oft sind dies depressive, ängstliche oder zwanghafte Zustände, die den Selbstwert und die Lebensqualität der betroffenen Menschen stark beeinträchtigen können.

Häufig wird die Autismus-Spektrum-Störung auch sehr spät erkannt oder kann nicht zeitnah therapeutisch begleitet werden. Im Raum Berlin/Brandenburg beträgt die Zeit von der ersten Anfrage nach einer Diagnostik bis zur Stellung der Diagnose durchschnittlich vier Jahre. Allerdings sind viele Wartelisten aufgrund von hoher Nachfragen derzeit gesperrt.

Sehr umfangreiche und vielseitige Informationen zum Thema Autismus finden Sie auf der Internetseite Autismus-Kultur. Weitere sehr hilfreiche Informationen finden Sie beim Aspies e.V. oder im Selbsthilfeforum des Aspies e.V.